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Robo-Advisor in der Schweiz – Land der Banken 4.0?

Die Schweiz gilt traditionell als Bankenland. So beträgt der Anteil der Banken an der gesamten Wirtschaftsleistung der Schweiz im Jahr 2010 10,5%. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser nur bei 3,6% und in Großbritannien bei 6,8%. Um diesen Anteil zu bewerkstelligen, arbeiten 5,8% der Angestellten (1 von 17 Schweizern) im Finanzsektor – nur in Singapur sind es mehr (6,7%).

Info: Obwohl die Schweiz ein Großteil ihrer Wirtschaftsleistung durch Banken generiert, ist keine Bank unter den Top 10 Unternehmen. Mit Glencore, Nestlé, Zurich Insurance Group, Ineos Holdings, Mercuria Energy Group, Novartis oder der Roche Holding belegen vor allem Unternehmen aus der Pharma-, Versicherungsindustrie und dem Rohstoffhandel die vorderen Plätze.

Und wie sehen Robo-Advisor Erfahrungen in der Schweiz aus? Die größte Bank in der Schweiz – UBS AG – verwaltet immerhin rund 1.700 Milliarden US-Dollar. Alle Banken zusammen in der Schweiz betreuen sogar 10% aller weltweit verwalteten Vermögen. Damit landet die Schweiz auf Platz 3 hinter den USA und Großbritannien. Beim Vermögensverwaltungsgeschäft mit Privatkunden prescht die Schweiz sogar auf Platz 1 vor.

Frage: Wissen Sie, wie Robo-Advisor definiert werden? Lesen Sie hier unsere Definition.

Obwohl es mit z.B. „Truewealth“ oder „investomat.ch“ vielversprechende Anbieter gibt, laufen die Robo-Advisor Tests aus der Schweiz dem Rest der Welt hinterher. Es gibt keine nennenswerten Anbieter, die bis dato relevantes Wachstumskapital von Investoren eingesammelt haben.

Global gesehen, setzt die Schweizer Vermögensverwaltung auf traditionelle Beratung und Werte sowie auf traditionelles Banking. Innovationen und globale bedeutende Robo-Advisor-Startups kommen aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Kanada, China oder Japan.

Robo-Advisor Test und Erfahrungen – Sind Schweizer Banken für Kleinanleger zögerlich?

Info: Immer mehr Banken nutzen Robo-Advisor, um bessere Analysen zu treffen. Mensch und Maschine arbeiten gewinnbringend zusammen, da Robo-Advisor Marktdaten wesentlich besser verarbeiten können. Diese Robo-Advisor-Nutzung wird auch als hybrides Modell bezeichnet.

Der Innovationsdruck scheint in der Schweiz nicht sonderlich hoch zu sein, da die Geschäfte trotz Skandalen, etwa bei der UBS, immer noch gut laufen. So bevorzugen die Schweizer Banken eher den Trend des hybriden Beratungsmodells. Robo-Advisor werden dem Kundenberater in der Bank unterstützend zur Seite gestellt. Auch amerikanische Banken wie Morgan Stanley, Bank of America oder der Vermögensverwalter BlackRock schlagen zusätzlich diesen hybriden Weg ein, wenn große Vermögen verwaltet werden sollen.

Trotzdem gibt es zahlreiche Robo-Advisor in der Schweiz, die den Fondsmanager aus Fleisch und Blut aber eher unterstützen sollen.

Bis 2020 wird erwartet, dass sich der Markt auf 5 bis 8 Anbieter konsolidiert hat. Es werden also kurzfristig viele Robo-Advisor wieder verschwinden.

Frage: Wissen Sie, was ETF-Sparpläne sind? Erfahren Sie mehr darüber, wie die Experten von robo-advisor.de ETF-Sparpläne nutzen: Jetzt lesen.

Auch kleine Schweizer Banken, wie z.B. die Bank Linth, haben sich schon lange einen Robo-Advisor zugelegt. Die hybride Anlageberatung aus Mensch und technologischen Hilfsmitteln hilft den Banken Kosten zu senken. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Schweiz vor allem spannend für Private-Banking-Kunden ist, die jenseits der Millionen Grenze investieren. Ein Robo-Advisor verwaltet eher kleinere Beträge unter einer Million.

Andreas Dietrich, Finanzprofessor an der Hochschule Luzern (HSLU), sagt zu Robo-Advisorn in der Schweiz: „Wir reden nicht von Private-Banking-Kunden, die mit 5 oder 10 Mio. Fr. kommen und auch Beratungsdienstleistungen verlangen. Der reine Robo Advisor ist zumindest in der Anfangsphase für Beträge mit einer Durchschnittsgrösse von 50’000 bis 60’000 Fr. geeignet.“

Wer großes Vermögen verwalten lassen möchte, sucht immer noch den vertrauenswürdigen Anlageberater auf. Bankberater holen sich dann Unterstützung durch Analysen, die von Robo-Advisorn erstellt worden sind, daher das Hybrid-Modell.

„Ein reiner Robo Advisor bietet sich vor allem für Banken an, die keine starke Stellung im Anlagegeschäft haben und in Richtung Selbstbedienungs-Banking gehen. Das kann ein neues Geschäftsfeld eröffnen, den Ertrag diversifizieren und die Kosten niedrig halten. Es bietet sich also für kleinere Institute an“, analysiert Andreas Dietrich weiter.

Vergleich Deutscher und Schweizer Robo-Advisor
ePrivate Banking True Wealth Investomat Moneypark Whitebox Scalable Capital Ginmon
Robo-Advisor-Gebühr pro Jahr (zzgl. ETF-Gebhüren)

0,95 bis 1,25

0,5 bis 1,47

0,6

0,8 0,35 – 0,95 0,75 0,39
Mindest-anlagebetrag in €

keine

ca. 7.774

ca. 4.573

ca. 4.573 

5000 10.000 1.000
Depotbank

Swissquote

Saxo Bank Schweiz

GLKB Glarner Kantonalbank

GLKB Glarner Kantonalbank

biw Bank Baader Bank AG DAB Bank

Robo-Advisor Erfahrungen – Wie werden sich die Schweizer Algorithmen entwickeln?

Robo-Advisor bedrohen mittelfristig den menschlichen Anlageberater. Kein Wunder also, wenn die Schweizer Banken nicht den größten Innovationsdruck spüren, ihre eigenen Arbeitsplätze durch Algorithmen zu kannibalisieren. Hybrid-Lösungen zur Unterstützung des Menschen werden also zunächst eher die Regel sein.

Nichtsdestotrotz können die Schweizer auf solide Lösungen zugreifen und Vermögen ab 5000 Schweizer Franken bei z. B. „Investomat“ oder „Moneypark“ anlegen. Auch die Gebühren bewegen sich mit 0,5% bis 1,2% Pauschalkosten pro Jahr nur geringfügig über den Gebühren Deutscher Robo-Advisor.

Zur Qualität der Robo-Advisor sagt Finanzprofessor Andreas Dietrich: „Swissquote kann man sich sein Portfolio sehr individuell zusammenstellen. True Wealth ist einfach und benutzerfreundlich. Beim Investomat der Glarner Kantonalbank kann man schöne Ergänzungen zum Portfolio vornehmen. Jedes Tool hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Einen Robo Advisor, der in allen Kriterien überzeugt, habe ich bisher allerdings nicht gesehen.“

Info: Rund 1 Milliarde Franken an Vermögensverwaltung (Assets under Management oder AuM) müsste ein Robo-Advisor verwalten, um profitabel zu laufen, schätzen Schweizer Banken.

Die Schweiz steht also vor der Herausforderung, ihr traditionelles Private-Banking-Geschäft auch zukünftig profitabel durch Robo-Advisor zu gestalten. «Aus Investoren-Sicht ist das Thema Robo-Advising sehr anspruchsvoll, da sich langfristig wohl nur wenige Player mit einer substantiellen Profitabilität durchsetzen werden», so Fintech-Investor Bernegger.

Über Performance der Anbieter ist leider nichts bekannt. Sobald wir Daten erhalten oder erheben konnten, werden wir diese hier veröffentlichen.

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Was ist ein Robo-Advisor?

Auch als "automatisierte Vermögensverwaltung" bezeichnet, sollen Robo-Advisor die bessere Alternative zum klassischen Bankberater sein.

Wer sein Geld zum Beispiel fürs Alter anlegen möchte, ging früher zum Bankberater. Der empfiehlt Fonds und Zertifikate - meistens solche, mit denen er gute Provisionen verdient. Deswegen haben die verkauften Produkte häufig schlechte Renditen.

"Nur 3 von 23 Banken beraten gut", so die Stiftung Warentest im Januar 2016.

Mehr Rendite als bei der Bank

Robo-Advisor entscheiden hingegen auf Basis mathematischer Modelle automatisch, wie das Geld auf verschiedene Anlagen aufgeteilt wird.

Unterm Strich soll die Geldanlage dadurch besonders renditestark sein, weil viel geringere Kosten anfallen.

In den USA werden (Stand: März 2016) schon umgerechnet über 44 Milliarden Euro von Robo-Advisors verwaltet.

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