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Markowitz-Theorie – Beginn der modernen Finanzwirtschaft

Markowitz-Theorie

Die Markowitz-Theorie gilt als Grundlage der heutigen, modernen Portfolio-Theorie. Sie wurde im März 1952 von Harry M. Markowitz veröffentlicht. Dieser erhielt dafür 1990 den Nobel-Preis im Bereich Wirtschaftswissenschaften.

Im Kern ging es Markowitz um die Frage, wie sich effiziente Portfolios quantifizierbar darstellen lassen, das Verlustrisiko maximal reduzieren und so bessere Renditen abwerfen, als weniger effiziente Portfolios. Auf der Markowitz-Theorie bauen weitere Theorien auf, wie z. B. das Capital Asset Pricing Model (CAPM).

Info:

Harry Max Markowitz ist ein US-Amerikanischer Ökonom, der 1927 in Chicago geboren wurde. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Chicago sowie an der Aristoteles-Universität von Thessaloniki. Studiert hatte er unter bekannten Persönlichkeiten wie Milton Friedman, Tjalling Koopmans, Jacob Marschak und Leonard Savage.

Man hatte herausgefunden, dass eine Streuung der Investition auf mehre Titel das Verlustrisiko minimiert, als wenn man einen hohen Betrag isoliert auf nur einige wenige Titel setzt. Es sollte auf verschiedene Scheine oder Blätter gesetzt werden und damit auch immer auf verschiedene Risikoklassen (Aktien, Geldmarkt, Anleihen, Rohstoffe, Tagesgeld etc).

Das Wort Portfolio kommt vom Wort Portefeuille. Dieses stammt aus dem Französischen und setzt sich aus den Wörtern porter „tragen“ und feuille „Blatt“ zusammen. Ein Portfolio trägt also verschiedene Anteilsscheine.

Markowitz-Theorie – Berechnung der Effizienz eines Portfolios

Markowitz hat eine Berechnungsmethode entwickelt, die es ermöglicht, ein risikoeffizientes Portfolio aufzustellen. Das Problem zur Erstellung eines effizienten Portfolios ist der groben Unsicherheit der Märkte geschuldet.

Markowitz nimmt an:

  1. Kein Experte kann die Entwicklung der Märkte vorhersagen und damit ist auch nicht die Auswahl der besten Titel sicher. Jegliche Vorhersagen zur Entwicklung beruhen auf Meinungen.
  2. Risiko und Ertrag sind voneinander abhängig. Je höher der Ertrag, desto höher ist das Risiko, das entsprechende Titel einbrechen und einen hohen Verlust erleiden.

Besonders Aktien sind Titel, die mit einer hohen Schwankung schnell im Kurs fallen und steigen können, wohingegen Staatsanleihen nur eine geringe Schwankungsbreite aufweisen, dafür fällt aber auch der Ertrag geringer aus.

Der Vergleich zwischen Bundesanleihen und dem DAX stellt den Zusammenhang von Ertrag und Risiko gut dar. Der Robo-Advisor Warburg Navigator hat dazu eine Grafik entwickelt:

Markowitz-Theorie - DAX vs. Bundesanleihen
Quelle: navigator.mmwarburg.de

Während die Bundesanleihen nur eine geringfügige Volatilität aufweisen, sind beim DAX deutliche Einbrüche und Steigerungen zu erkennen, die teilweise eine Varianz von 50 Prozent und mehr ausmachen. Interessant hierbei: Beide Risikoklassen stehen periodisch immer wieder an gleicher Position.

Das Halten (hold and buy) beider Titel führt also langfristig betrachtet zu gleichen Renditen. Das kurzfristige Ausnutzen von Schwankungen durch eine Market-Timing-Strategie beim DAX kann bei Glück exorbitante Gewinne hervorbringen.

▶︎ Was ist eine Market-Timing-Strategie? Hier mehr erfahren.

Markowitz: Die Entwicklung der Märkte kann nicht vorhergesagt werden

Wie Markowitz schon selbst angemerkt hat, lässt sich die Entwicklung der Märkte nicht wirklich vorhersagen. Deshalb ist das Modell oder die Theorie vor allem ein mathematisches Modell, was auf die Standardabweichung (σ) der Renditen um den Erwartungswert (μ) zurückgeht.

Man könnte auch sagen, dass die Markowitz-Theorie eine erweiterte Wahrscheinlichkeitsrechnung darstellt, die Renditeerwartung und Standardabweichung der Titel berücksichtigt, um Portfolios zu entwickeln, die stabil bzw. effizient bleiben.

Es geht dabei vor allem um die gegenseitige Unabhängigkeit von Titeln innerhalb eines Portfolios. Wählt ein Anleger nur Aktien von Tech-Unternehmen (z. B. Apple, Facebook, Microsoft, Samsung, IBM) oder klassischen Automobilherstellern (Daimler, BMW, GM etc.) aus, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sich alle gegenseitig in ihren Kursen beeinflussen.

Kurzfristig sind so hohe Renditen möglich, aber eben auch massive Verluste. Die Aktie der Lufthansa ist aktuell so ein Beispiel. Seit einem Jahr ist der Kurs um 134 Prozent (Stand 06.01.2018) gestiegen. Die Gefahr, sein Geld daran zu verlieren, ist ebenso groß.

Diversifikation zur Minimierung des Risikos

Das Auswählen einzelner Aktien nennt man auch Stock Picking. So soll ein Moonshot  mit extrem hoher Rendite gefunden werden. In zahlreichen Studien ist jedoch nachgewiesen, dass diese Strategie in mehr als 50 Prozent der Fälle scheitert und mehr mit Glücksspiel, als Strategie zu tun hat.

Aus der Markowitz-These heraus hat sich deshalb die Praxis der Diversifikation entwickelt. Das Anlagevermögen soll auf Produkte und Titel aus verschiedenen Risikoklassen verteilt werden.

Zusätzlich sollten Märkte, in die man investiert, voneinander unabhängig sein – geografisch wie auch von der Branche her. Ein klassisches Portfolio besteht daher oft aus

  • Aktien (Europa, Asien, Nordamerika)
  • Anleihen (Unternehmen, Staaten)
  • Geldmarkt-Produkte
  • Rohstoffen

Der Robo-Advisor Vaamo baut sein Portfolio aus folgenden Titeln auf:

Aktien Industrieländer

Aktien kleine und mittlere Unternehmen

• Unternehmensanleihen

• Hochzinsanleihen 

Immobilien

Staats- und Unternehmensanleihen höchster Bonität 

Fazit:
Markowitz hat durch seine Berechnungen nachgewiesen, dass bei gleichem Anlagebetrag ein diversifiziertes Portfolio einem geringeren Verlustrisiko unterworfen ist, als ein Portfolio, das auf gleiche Titel und Risikoklassen setzt und damit weniger diversifiziert ist.
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Auch als "automatisierte Vermögensverwaltung" bezeichnet, sollen Robo-Advisor die bessere Alternative zum klassischen Bankberater sein.

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Robo-Advisor entscheiden hingegen auf Basis mathematischer Modelle automatisch, wie das Geld auf verschiedene Anlagen aufgeteilt wird.

Unterm Strich soll die Geldanlage dadurch besonders renditestark sein, weil viel geringere Kosten anfallen.

In den USA werden (Stand: März 2016) schon umgerechnet über 44 Milliarden Euro von Robo-Advisors verwaltet.

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