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Market Timing – Was bedeutet das?

Market-Timing Robo-Advisor

Wer in Deutschland einen Robo-Advisor nutzen möchte, kann mittlerweile aus über 20 Anbietern wählen. Diese unterscheiden sich neben den Kosten vor allem in der Ausrichtung der zugrunde liegenden Algorithmen.

Das „Innovative“ an einem Robo-Advisor ist die automatisierte Verwaltung und Optimierung der Portfolios. Die Überwachung der Investitionen soll durch einen Roboter übernommen werden.

Damit der Roboter automatisiert arbeiten kann, braucht er wie jedes auf Algorithmen basierte System Regeln. Diese bestimmen den Rahmen und Handlungsspielraum des Robo-Advisors und in gewisser Hinsicht auch die ideologische oder visionäre Ausrichtung des Anbieters eines Robo-Advisors.

▶︎ Wie werden Robo-Advisor definiert? Jetzt unsere Definition lesen.

Innerhalb eines gewählten Rahmens investiert und deinvestiert der Robo-Advisor. Was man bei ihm nicht programmiert, wird er auch nicht tun.

So hat jeder Anbieter eine unterschiedliche Auffassung davon, in welcher Weise Märkte am besten vorherzusagen und damit die besten Renditen zu erwirtschaften sind.

Market-Timing – Strategien und Stock Picking

Eine populäre, aber auch umstrittene Theorie bzw. Annahme zur Einschätzung der Märkte ist das Market Timing oder Timing-Strategie. Beim Market-Timing wird versucht, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um Positionen entweder gewinnbringend zu kaufen oder zu verkaufen.

Mit anderen Worten: Man sucht nach Hinweisen, wann der Markt oder einzelne Aktien ihren temporären Höchststand oder Tiefststand erreicht haben könnten. So soll möglichst billig gekauft bzw. teuer verkauft werden.

Market-Timing Robo-Advisor

Market-Timing will den optimalen Zeitpunkt finden, um einzusteigen und optimal auszusteigen – In der Theorie sollen so exorbitante Gewinne entstehen.

Entscheidend dafür sollen Marktsignale sein, die es ermöglichen, die richtigen Märkte und/oder Aktien zu finden, die dann durch die Decke gehen. Das Auswählen einzelner Titel wird auch als Stock Picking bezeichnet.

Stefan Schütze vom Robo-Advisor Truevest schreibt dazu:„Wir glauben an einen timing-orientierten Investmentansatz. Daher sind unsere Investoren nur bei einem klaren Kaufsignal über die 200-Tage-Linie ihrer Strategiebenchmark im Markt investiert. Erfolgt hier ein Verkaufssignal, gehen wir mit den Geldern der Strategie an den Seitenrand und investieren vorübergehend nur in Geldmarkttitel. Damit lassen sich die großen Markttrends hervorragend timen und der Anleger partizipiert überwiegend an den großen Aufwärtstrends und vermeidet überwiegend die großen Abwärtstrends. Auskömmliche Ergebnisse bei wenig Schwankung und Verlustrisiko – ein Ansatz für Jedermann. Wahlweise über Zielfonds oder ETFs.“

Signale können Gesetzesänderungen, Kaufkraft, Inflation, Unternehmensgewinne, Wirtschaftswachstum oder Technologie-Trends sein. Je nach Aufkommen und Abflachen beeinflussen sie die Märkte und damit das Wachstum von Indizes.

Robo-Advisor nutzen vor allem Big-Data-Analysen, um Unmengen an Daten auszuwerten und analysieren zu können. Der Robo-Advisor des weltweit größten Vermögensverwalter BlackRock soll sogar Satellitenbilder und Daten aus Social-Media-Netzwerken auswerten.

Market-Timing-Beispiel: Verlauf des DAX

Der Gegensatz zur Market-Strategie ist die Haltestrategie – im Englisch auch „buy and hold“ genannt. Hier wird die Investition über einen bestimmten Zeitraum gehalten.

Am Beispiel der DAX-Verlaufs-Kurve der vergangenen zehn Jahre wird der Unterschied deutlich.

Market-Timing - DAX Verlauf 10 Jahre
Quelle: www.onvista.de

Hätte man 2008 in einen DAX-ETF (z. B. ISHARES CORE DAX UCITS ETF (DE) – EUR ACC) investiert, so wäre das Vermögen um 64 Prozent gewachsen, weil der DAX ebenfalls um 64 Prozent gewachsen ist.

▶︎ Was sind ETFs? Jetzt mehr darüber erfahren.

Schaut man sich die Verlaufskurve genau an, so sind immer wieder Einbrüche, aber auch steile Anstiege festzustellen, die teilweise 30 bis 50 Prozent Volatilität aufzeigen.

Das Market-Timing versucht diese Schwankungen vorherzusagen und entsprechend günstig einzukaufen bzw. dann teuer zu verkaufen.

Kritik am Ansatz des Market-Timing

Gegner des Market-Timing halten den Ansatz für nicht existent und sagen, dass man Kursentwicklungen in der Form nicht vorhersagen kann. Man wisse immer nur hinterher, ob der Markt wirklich eingebrochen ist oder nicht.

Market-Timing - Robo-Advisor

Das belegen auch Studien, die immer wieder nachweisen, dass Market-Timing nicht sinnvoll ist. Mehr als die Hälfte der Versuche, die Entwicklung des Marktes vorauszusagen, würden scheitern.

So bringen seit 1930 70 Prozent der Börsenjahre stets eine positive Entwicklung, was demnach für eine „buy-and-hold-Strategie“ spricht.

Der Star-Investor Warren Buffett sagt dazu: „Wir sind seit langem der Meinung, dass der einzige Wert von Aktien-Prognostikern darin besteht, Wahrsagen gut aussehen zu lassen. Sogar jetzt glauben Charlie und ich weiterhin, dass kurzfristige Marktprognosen Gift sind und an einem sicheren Ort weggeschlossen werden sollten, fern von Kindern und auch von Erwachsenen, die sich am Markt wie Kinder benehmen.“

Der Ökonom Eugene Fama von der Universität Chicago geht sogar soweit zu sagen, dass es nicht einmal Blasen gibt: „Ich glaube nicht an Blasen. Man muss vorhersagen können, dass und wann sie platzt. Wenn man das nicht kann, dann ist es nachlässig, das Worte Blase dafür zu verwenden.“

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Was ist ein Robo-Advisor?

Auch als "automatisierte Vermögensverwaltung" bezeichnet, sollen Robo-Advisor die bessere Alternative zum klassischen Bankberater sein.

Wer sein Geld zum Beispiel fürs Alter anlegen möchte, ging früher zum Bankberater. Der empfiehlt Fonds und Zertifikate - meistens solche, mit denen er gute Provisionen verdient. Deswegen haben die verkauften Produkte häufig schlechte Renditen.

"Nur 3 von 23 Banken beraten gut", so die Stiftung Warentest im Januar 2016.

Mehr Rendite als bei der Bank

Robo-Advisor entscheiden hingegen auf Basis mathematischer Modelle automatisch, wie das Geld auf verschiedene Anlagen aufgeteilt wird.

Unterm Strich soll die Geldanlage dadurch besonders renditestark sein, weil viel geringere Kosten anfallen.

In den USA werden (Stand: März 2016) schon umgerechnet über 44 Milliarden Euro von Robo-Advisors verwaltet.

Seit Jahren bekannt

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