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Faktor-ETFs – lerne alles über die Faktoren Value, Momentum, Low Volatility und Quality

Sind Faktor-ETFs die besseren ETFs? Sie liegen klar im Trend und werden auch Multi-Faktor-ETFs genannt. Faktor-Prämien beschreiben Rendite und Risiko innerhalb einer Asset-Klasse wie z.B. Aktien oder Rohstoffe. Die bekanntesten Faktor-Prämien sind die ‚Small Size’, ‚Value’, ‚Quality’, ‚Momentum’, “Political Risk” und die ‚Low Volatility’. Doch sind Faktor-ETFs sinnvoll? Wir werden folgend klären, was Faktor-ETFs sind und ob sie eine gute Alternative zu bisherigen Investment-Produkten sind.

Faktor-ETFs

Faktor-ETFs sind beliebte Investment-Produkte, die alternative Indizes abbilden. Sie bieten eine Lösung, die klassischen Indizes bzw. ETFs nicht haben.

Sie werden auch Smart-Beta-ETFs oder Multi-Faktor-ETFs genannt.

Mit ETFs hat der Anleger die Möglichkeit, schon kleine Beträge in schier unzählige Produkte und Fonds zu investieren.

Darunter finden sich ETFs die Aktien, Staatsanleihen oder Rohstoffe abbilden. Sie investieren also nicht selbst, es wird nur der Kurs nachgebildet.

▶ Was sind ETFs? Jetzt mehr über ETFs erfahren.

Grundlegend kann man ETFs in aktive und passive Fonds unterteilen. Manager von aktiven Fonds versuchen dabei den Markt zu schlagen.

Die Idee: Durch intelligente Investitionen soll vorhergesehen werden, wie sich der Markt entwickelt.

Dies wird jedoch seit Jahren kritisch beobachten. Denn niemand kann wirklich vorhersagen, wie sich der Markt entwickelt. Zudem sind Manager teuer.

Robo-Advisor hingegen günstiger, da Software das Management übernimmt.

▶ Was sind Robo-Advisor? Jetzt mehr darüber erfahren.

Passive Fonds hingegen bilden Markt möglichst exakt ab. Es wird nicht aktiv deligiert oder umgeschichtet, um besser als der Markt bzw. die Benchmark zu sein. Das führt außerdem zu geringeren Verwaltungsgebühren für den Kunden.

Diese nicht börsennotierten Fonds heißen Exchange Traded Funds (ETFs).
Vorteil von ETFs:Der Anleger hat geringe Kosten und kann schon kleinste Beträge weltweit investieren.

Gerd Kommer, Finanzexperte und Investor, schreibt dazu:

„’Passiv investieren’ – also sehr breite Diversifikation mit marktneutralen Indexfonds auf Buy-and-hold-Basis – dürfte eine der weltweit größten Erfolgsstorys beim Investieren mit Kapitalmarktanlagen in den vergangenen 50 Jahren sein.“

Was machen Faktor-ETFs bzw. Multi Faktor ETFs also besser?

Eine Innovation bzw. Weiterentwicklung der ETFs sind Faktor-ETFs die auch ‚Factor Investing’ oder ‚Smart Beta Investing’ genannt werden.

Diese Faktoren bzw. Faktorprämien sind statistisch identifizierbare Treiber, die Rendite und Risiken von Aktien, Anleihen auch Immobilien bestimmen.

Innerhalb bestimmter Asset-Klassen können diese Faktoren das Risiko-Rendite-Verhältnis erklären.

Man kann sich diese Faktoren wie bei einem Test vorstellen. Der Erfolg und das Risiko zu scheitern, hängen von Faktoren wie Lernzeit, Wille und IQ ab. Nur dass sie bei ETFs jetzt messbar sind.

Bei Aktien ist die bekannteste Faktor-Prämie die ‚Small-Size-Prämie’ oder ‚Small-Cap-Prämie’. ETF-Experte Gerd Kommer sagt dazu:

„Sie besagt, eigentlich ganz banal, dass kleine börsennotierte Unternehmen (klein, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung) im Durchschnitt höhere Aktienrenditen produzieren als große Unternehmen bzw. der Gesamtmarkt.“

Kleine Unternehmen haben ein deutlich erhöhtes Potential, schnell und viel wachsen. Sie erwirtschaften somit gegenüber dem Gesamtmarkt höhere Renditen.

Junge Unternehmen sind z.B. Startups oder neue Unternehmen, die in Zukunfts-Technologien und/oder Ressourcen (Tesla, Rivian oder N26) investieren bzw. aktiv nutzen.

Somit ist Factor Investing eigentlich die Idee des passiven Investierens. Man verzichtest bewusst auf „Stock Picking „und „Market Timing“.

Durch Timing versucht man immer wieder durch kaufen, verkaufen und umschichten günstige Momente zu finden. Also günstig einkaufen und teuer verkaufen.

▶ Was ist Timing? Jetzt mehr darüber erfahren.

Bei Investitionen anhand von Faktoren wie der der Small-Cap-Prämie weicht man jedoch von der reinen Marktkapitalisierung ab.

Value, Momentum, Low Volatility und Quality Faktoren – Was Anleger in Deutschland wissen sollten

Neben Small-Cap-Prämien gibt es weitere Faktoren, die identifizierbar und somit über Rendite und Risiko entscheiden können. Die bekanntesten wollen wir vorstellen.

ACHTUNG: Trotz Faktoren, besteht keine Garantie, dass Factor Investing in ETFs funktioniert bzw. welche Renditen prognostiziert werden kann. Auch hier gilt: Niemand kann den Markt vorhersagen.

ETF Faktor Value

Ein weiterer Faktor ist der Value. Dieser beschreibt aktuell günstig bewertete Unternehmen. D.h. Betriebswirtschaftliche Größen sind von Vorteil für den Käufer – darunter fällt z.B. Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Man geht davon aus, dass solche Aktien höhere Renditen erzielen gegenüber Aktien die bereits hoch bewertet sind (Growth-Aktien).

Man nennt die Aktien auch Substanzwertaktien.

ETF Faktor Quality

Dieser ETF Faktor wird als Profitability Faktor bezeichnet. Dieser Faktor bewertet die Profitabilität an entsprechenden ökonomischen Kennzahlen.

Solche Kennzahlen sind z.B. das Kurs-Buchwert-Verhältnis oder Verschuldungskennzahlen. Man geht davon aus, dass diese Qualität eine höhere Rendite erwirtschaftet. Wer gute Produkte und Service bereitstellt, hat in der Regel auch viele Kunden, die viel kaufen.

ETF Faktor Political Risk

Hier werden Aktien betrachtet, die ein hohes politisches Risiko mit sich bringen. D.h., dass in bestimmten Ländern unklare politische Verhältnisse herrschen, die sich auf Unternehmen negative auswirken können.

Produktionen können ausfallen, neue Gesetzte können Produkte verbieten oder Unternehmen erhalten keine Rohstoffe mehr, weil Sanktionen verhängt werden.

Gleichzeit sind die Märkte oft Wachstumsmärkte und haben entsprechend höhere Renditen. Diese ist bei z.B. Schwellenländern oft der Fall.

Übersicht Faktor-ETFs Blackrock
Quelle: ishares.com

ETF Faktor Momentum

Dieser Faktor betrachtet einen günstigen Moment in der Rendite-Entwicklung. Dieser geht davon aus, dass Unternehmen mit aktuell hohen Renditen und zukünftig noch für einen begrenzten Zeitraum hohe Rendite haben werden.

Je nach Marktlage kann relativ gut berechnet werden, wie lange bestimmte Nachfragen andauern und entsprechende Renditen anfallen.

Der ETF Faktor Momentum ist also eine besonders günstige Lage für ein Unternehmen. Wie Apple einst mit dem iPhone, Mercedes mit ihren AMG-Modellen oder besondere Sneaker von Adidas oder Nike profitieren diese von Technologien, Konjunktur und Trends.

ETF Faktor Low Volatility oder Minimum Volatility

Dieser Faktor betrachtet Titel mit geringer Volatilität. D.h. diese Titel einer Asset-Klasse sind recht stabil in ihrem Kurs und haben nur geringe Ausbrüchen nach unten oder nach oben.

Gerd Kommer hat wunderbar aufgeschlüsselt, wie diese Faktoren gesondert zur Rendite beitragen. Diese Tabelle möchten wir euch nicht vorenthalten.

Zeitraum Anzahl Jahre Value-Prämie Small-Size-Prämie Quality-Prämie Momentum-Prämie Political-Risk-Prämie
1975 – 2018 44 0,9%  3,5%
1975 – 1994 20 2,1%  5,4%
1995 – 2018 24 0,1%  1,9% 3,1% 4,3% 0,9%
1975 – 1988 14 2,3%  7,7%
1989 – 1998 10 0,2%  -3,1% 4,8%
1999 – 2008 10 0,5%  4,8% -0,2% 4,6% 12,8
2009– 2018 10 -0,3%  3,0% 2,1% 1,8% -0,3%

Quelle: MSCI, Dimensional Fund Advisors, Deutsche Bundesbank. Die Ergebnisse beziehen sich auf langfristige arithmetische Durchschnitte vor Kosten und Steuern.

Jedoch darf nicht vergessen werden, dass es Zeiträume gibt, in denen die Faktoren nicht positiv performen. Da sich jedoch der Weltmarkt in den vergangen 44 Jahren massiv vervielfacht hat, sind diese Wert positiv.

Was man noch über Faktor-ETFs wissen sollte

Faktorprämien können nicht zu einander addiert werden, da diese sich gegenseitig beeinflussen bzw. korrelieren. Wenn ein Wert positiv performt, kann ein anderer negativ performen.

Hat man sich für eine Faktor-Strategie entschieden, sollte man diese unbedingt beibehalten. Wie die Tabelle weiter oben zeigt, sind Faktor-Prämien langfristig (fast) immer positiv. Für kurzfristige Investitionen sind Faktor-ETFs nicht geeignet.

Die Investition in Faktor-ETFs kostet etwas mehr Geld gegenüber klassischen ETFs. Jedoch gleicht die Brutto-Prämie diese Zusatzkosten wieder aus.

Auch mit einer Strategie aus Multi-Faktor-ETFs lassen sich die Märkte langfristig nicht schlagen. Was Daten aus langjähriger Forschung immer wieder bezeugen. Sofern die verfügbaren Daten öffentlich für jeden verfügbar sind.

Wo kann man Faktor-ETFs kaufen und ins Portfolio holen?

Faktor-ETFs lassen sich z.B. von BlackRock oder UBS kaufen. Diese tragen dann z.B. den Namen iShares (Faktor ETFs) sowie den entsprechenden Faktor.

Hier (UBS) und hier (iShares) gibt es dazu eine genaue Auflistung von allen ETFs mit entsprechenden Faktoren. Es werden außerdem vergangene Entwicklung gezeigt. So kann der Anleger schauen, welche Performance dieser Faktor ETF hingelegt hat.

Name des Fonds Faktor Anbieter ISIN

UBS ETF (IE) Factor
MSCI USA Quality UCITS ETF

Quality UBS IE00BX7RRJ27

UBS ETF (LU) Factor
MSCI EMU Low Volatility UCITS ETF

Low Volatility UBS LU1215454460

iShares Edge MSCI World
Momentum Factor UCITS ETF

Momentum iShares IE00BP3QZ825

iShares Edge MSCI World
Size Factor UCITS ETF

Small Size iShares IE00BP3QZD73

iShares Edge MSCI EM
Value Factor UCITS ETF

Value  iShares IE00BG0SKF03

Fazit
Trotz Faktoren, besteht keine Garantie, dass Factor-Investing in ETFs den Markt schlägt. Diese Form von passivem Investment ist Definitiv etwas für fortgeschrittene Investoren, die sich ausgiebig mit dem Markt und ihren Erfolgsfaktoren beschäftigen. Faktor-ETFs sollten auch nie allein im Portfolio bestehen. Da diese miteinander korrelieren, sollte auch nicht in ALLE verfügbaren Faktoren investiert werden. Die Idee der Faktoren beruht auf statistischen Werten und sollte daher mit entsprechendem Wissen umgesetzt werden.

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Auch als "automatisierte Vermögensverwaltung" bezeichnet, sollen Robo-Advisor die bessere Alternative zum klassischen Bankberater sein.

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"Nur 3 von 23 Banken beraten gut", so die Stiftung Warentest im Januar 2016.

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Robo-Advisor entscheiden hingegen auf Basis mathematischer Modelle automatisch, wie das Geld auf verschiedene Anlagen aufgeteilt wird.

Unterm Strich soll die Geldanlage dadurch besonders renditestark sein, weil viel geringere Kosten anfallen.

In den USA werden (Stand: März 2016) schon umgerechnet über 44 Milliarden Euro von Robo-Advisors verwaltet.

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